Ausgabe 2022/1

ZUHAUSE – Entwurzelung, Verbindung, Zugehörigkeit
HOME – Uprooting, Connecting, Belonging

About: Simeon is a twelve-year-old boy who I met a couple of years ago when he and his queer family arrived from Russia to Vienna escaping the totality regime of Vladimir Putin. He has three parents, two of who are non-binary people, and lives with them in a shared house project. Growing up in a queer environment, Simeon is trying out many things and social roles forbidden for so many children... More

Fokus ^

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A boy with blond dyed hair holds a chicken , background we can see the yard of a house and stairs.

Editorial 2022/1

von Migrazine

Zuhause - mit den einfachsten Wörtern beschrieben - ist ein Ort, an dem eine_r sich wohl fühlt und ein Grundgefühl der Geborgenheit entwickelt. Es kann ein Ort sein, an dem eine_r aufgewachsen ist. An dem Menschen, Freund_innen, Bekannte, Familie leben, die einem_r wichtig sind. Gerüche, Landschaft, Essen und Sprache sind auch Teil davon, ein Gefühl von Zuhause zu empfinden.

Zuhause – Entwurzelung, Verbindung, Zugehörigkeit

Der Wunsch nach einem Zuhause

von Jamila Andar, Muhla Duane Mohamed und Precious Fangchah

Es mag sein, dass es für Menschen, die in Österreich geboren und aufgewachsen sind, selbstverständlich ist, als Frau* allein am Abend auf die Straße zu gehen, aber in unseren Herkunftsländern ist es schwierig, denn dort besteht die Gefahr, sexuell belästigt, gestört oder überfallen zu werden. Deswegen betonen wir in unseren kurzen Texten das Thema Sicherheit und Zuhause aus einer spezifischen Frauen*perspektive. Österreich wird von uns zwar als einen sicheren Ort beschrieben, aber in einem Nachgespräch haben wir uns an einen Spruch erinnert, der uns geholfen hat, unsere Texte selbst besser zu verstehen: „When you’ve never experienced love, you gladly take the tiny crumbs given to you and call them love“. 

Es mag sein, dass es für Menschen, die in Österreich geboren und aufgewachsen sind, selbstverständlich ist, als Frau* allein am Abend auf die Straße zu gehen, aber in unseren Herkunftsländern ist es schwierig, denn dort besteht die Gefahr, sexuell belästigt, gestört oder überfallen zu werden.

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© Şehbal Şenyurt Arınlı - Umschlagbild "Leben aus dem Koffer"

"Vom Tagebuch eines Einsiedlers zum Tagebuch eines Flüchtlings"

von Migrazine
Interview mit Şehbal Şenyurt Arınlı

Schreiben ist für mich eine heilende Beschäftigung. Neben meinen professionellen Texten im Journalismus und den Dokumentationen schreibe ich eigentlich sehr viel für mich selbst. Tagebücher, Kurzgeschichten, Gedichte ... vielerlei Arten... Ich habe nie wirklich daran gedacht das alles auszudrucken.

Die Dokumentarfilmemacherin, erste Kamerafrau der Türkei, Journalistin, ist die Schriftstellerin Şehbal Şenyurt, außerdem Gründerin von BSB, Verbund von Dokumentarfilmemacher:innen.

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Young girl with pink wig stand on the street at night looking at the camera with strong flash on her body.

9. NOVEMBER

von IZRAA

Der 9. November 2020, auch unter “Operation Luxor” bekannt, war die größte und rassistischste Hausdurchsuchung Österreichs.

Der 9. November 2020, auch unter “Operation Luxor” bekannt, war die größte und rassistischste Hausdurchsuchung Österreichs.

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People moving around a sauce cart in what looks like a food market

Wohnen in der Krise – Wohnen im Härtetest

von Cornelia Dlabaja

Home sweet home oder neues Biedermeier für alle? Wohl kaum, selten werden soziale Ungleichheiten so sichtbar wie in der aktuellen Krise die mit einer Teuerung der Lebenserhaltungs- und Wohnkosten einhergeht. Ähnlich einem Belastungstest werden Wohnräume dieser Tage so intensiv genutzt wie sonst nie.

Home sweet home oder neues Biedermeier für alle? Wohl kaum, selten werden soziale Ungleichheiten so sichtbar wie in der aktuellen Krise die mit einer Teuerung der Lebenserhaltungs- und Wohnkosten einhergeht.

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Wohnzimmer der türkischen Familie

Das migrantische Wohnzimmer. Wohnen und Einrichten in einem fremden Land

von Burcu Dogramaci

Dieser Beitrag wird sich den Wohnzimmern südosteuropäischer Migrant*innen in Deutschland mit einem Schwerpunkt auf den ersten Jahrzehnten der Arbeitsmigration in die Bundesrepublik widmen. 

Der Medienphilosoph und Emigrant Vilém Flusser reflektierte in seinen Texten über den Zusammenhang von Migration und Sprache, Kreativität und Wohnen, wobei ihn das Begriffspaar „Heimat“ und „Heimatlosigkeit“ leitete.

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two people hug themselves while lying on the floor

An intimate exile ስደተኛቅኔ (‘a personal lament, a collective grief’)

by Mihret Kebede 

This poem is dedicated to all marginalized individuals and groups in the name of social, cultural, religious, and political hegemonic beliefs. It is for those who feel like they are in exile in a place/space they call home.

space is shape less

a place is a fiction,

and a fiction is a fact,

sadly.

with a thought you triumph,

in a battle you don't take part

in a solely grief,

geography is just a graph.

 

ቦታ  ቅርጽ የለውም

ስፍራም  ልብ ወለድ ነው

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scan of paper with drawings of a bird, two bees in black and white and a crab in red color

Re-thinking Home: An Exercise

by Rojda Tuğrul

The proposed exercise is formed by the activities of Re-thinking Place and Re-thinking Time. These activities aim to generate a process of re-connecting individuals to the environment they live in.

The proposed exercise is formed by the activities of Re-thinking Place and Re-thinking Time. These activities aim to generate a process of re-connecting individuals to the environment they live in. Therefore, activities are imagined to be experienced both individually and within a group.

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Person sits on the floor in front of a mirror in a bedroom.

At Home: Living in community

by Marija Šabanović

At Home is a series of portraits of queer people, created between 2016 and 2020 and as a documentary photography project, which gives its protagonists, LGBTIQ+ people, space to show themselves in a very private environment of their homes. 

My photography work is focused on bodies, identities, and people’s narratives. It is strongly influenced by intersectional feminist thought and many years of queer activism. My tool is mostly a digital camera, and portraiture is the medium through which I approach my subjects.

Wessen Kulturerbe? - Einführende Überlegungen zu den Ausgrabungen im Nahen Osten unter französischem Mandat

von Ezgi Erol

103 Jahre sind seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages vergangen, in dem der künftige Frieden im Nahen Osten befürwortet und rechtlich geregelt wurde. Die Überlegungen zu einem Dekolonialisierungsprozess nach dem Ersten Weltkrieg wurden ­– wenn auch nicht explizit – im Völkerrecht unter „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ festgehalten.

103 Jahre sind seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages vergangen, in dem der künftige Frieden im Nahen Osten befürwortet und rechtlich geregelt wurde.

Crossover ^

Gedankenstriche. Literarisches Schreiben jenseits der Muttersprachlichkeit

von Ovid Pop und Radostina Patulova

Warum in einer Sprache schreiben, die mensch nicht perfekt, intuitiv, naturgemäß beherrscht? Was ist Perfektion und ist es notwendig eine Sprache zu beherrschen um Literatur zu schreiben, sprachlich kreativ zu sein? Soll es - von der Wiege bis zu Bahre - nur das Eine geben und das enge Korsett des Richtigen nie aufgebrochen werden? 

Warum in einer Sprache schreiben, die mensch nicht perfekt, intuitiv, naturgemäß beherrscht? Was ist Perfektion und ist es notwendig eine Sprache zu beherrschen um Literatur zu schreiben, sprachlich kreativ zu sein?

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An sculpture of a female torso standing in a room from a museum

“Art from after Crimea became my way to survive”

by Felicienne Lauro
interview with Maria Kulikovska

"How did war affect my artwork? Art after the annexation of Crimea by Russia became my own way to survive, not only physically but also psychologically, because after that event I arrived at a point where I didn’t want to live any more. Art is my way to survive, a way to remember that I am existing, it is my way to fight."

Felicienne Lauro: I am very interested in the role of the artist in times of war (also the topic of my bachelor thesis).

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Woman standing with a green blanket on her back going to the air

Letters to Omer

by Selma Selman

I was taught on the streets in Ruzica, Bihac, and the greatest professor I ever had was my mother. Just in a few years, I went from being a dirty Gypsy to being a very well respected artist... 

I was taught on the streets in Ruzica, Bihac, and the greatest professor I ever had was my mother. 

Just in a few years, I went from being a dirty Gypsy to being a very well respected artist. 

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Girl lying down with snakes as pillows covered by blanket of plants

Una lucha de fronteras / Ein Kampf der Grenzen

von Gloria E. Anzaldúa

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch Borderlands / La Frontera. Die neue Mestiza von Gloria E. Anzaldúa übersetzt vom Chaka Übersetzungskollektiv. Im Herbst 2022 erscheint dieses einflussreiche Werk der selbsternannten »Chicana, tejana, aus der Arbeiterklasse, dyke-feministische Dichterin, Autorin-Theoretikerin« von 1987...

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch Borderlands / La Frontera. Die neue Mestiza von Gloria E. Anzaldúa übersetzt vom Chaka Übersetzungskollektiv 1.

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An arm with a snake tattoo poses in top of a sheet of paper with Gloria E. Anzaldúa Name and address, there is also a snack drawer in the paper.

Seduction at a Crossroads

von Verena Melgarejo Weinandt
Interview mit Pêdra Costa

Der folgende Text ist ein Auszug des Beitrags von Pêdra Costa und Verena Melgarejo Weinandt zur Publikation Saberes sobre Puentes_Wissen über Brücken: Gloria E. Anzaldúa as method in decolonial art, education and politics.

Der folgende Text ist ein Auszug des Beitrags von Pêdra Costa und Verena Melgarejo Weinandt zur Publikation Saberes sobre Puentes_Wissen über Brücken: Gloria E.

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Woman standing with a green blanket on her back going to the air

Antifragile Poetry

- Selma Selman

Sa svojom bankovnom karticom ne mogu na pijaci da kupim

Mahune za ručak

Krenu svađe tek onako 

Ručak nije dobar 

Selma Selman je Tito

Sa svojom bankovnom karticom ne mogu na pijaci da kupim

Mahune za ručak

Krenu svađe tek onako 

Ručak nije dobar 

Glava kuće

Otac

Baci se sve po zidu dok ja ručam

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Woman wearing a red rope and headscarf with her fist in the air.

Rezension des Filmes Widerstandsmomente

von Natasha Bobb

Widerstandsmomente von Jo Schmeiser ist ein Film, der Auflehnung bejubelt und infolgedessen auch eine Hommage an Menschen ist, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Er erinnert uns daran, dass auch in Zeiten der Aussichtslosigkeit immer gekämpft wurde.

Widerstandsmomente von Jo Schmeiser ist ein Film, der Auflehnung bejubelt und infolgedessen auch eine Hommage an Menschen ist, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Er erinnert uns daran, dass auch in Zeiten der Aussichtslosigkeit immer gekämpft wurde.