Ausgabe 2013/1

Ülkü, Lilli, Cosinus: Emanzipatorische Kinder- und Jugendliteratur

Geschichten erzählen und damit Vorstellungen von der Welt geben – das ist die Aufgabe von Kinder- und Jugendliteratur. Sie liefert damit auch Bilder von Geschlecht, Ethnizität, Sexualität und anderen Zugehörigkeiten, die vom gesellschaftlichen Konsens der jeweiligen Epoche geprägt sind. Dass dieser nicht unwidersprochen bleibt und dank kritischer Interventionen auch veränderbar ist, zeigte sich zuletzt an der Debatte um das "N"-Wort und anderen diskriminierenden Begriffen in Kinderbüchern.
Erfreulicherweise gibt es aber auch genügend empfehlenswerte Literatur für Kinder und Jugendliche, die dem Begriff "emanzipatorisch" gerecht wird – indem sie unterschiedlichste Lebensentwürfe aufzeigt und nicht-normative Rollenbildern vorstellt. In Kooperation mit dem feministischen Monatsmagazin an.schlägecolor> stellt migrazinecolor>.at einige dieser Bücher vor – und lotet aus, wo es noch Leerstellen in Sachen Emanzipation gibt.

Fokus ^

"Sprache ist ein Gebrauchsgegenstand"

Interview mit Maureen Maisha Eggers

Die Entscheidung des Thienemann Verlags, Klassiker wie "Die kleine Hexe" sprachlich zu "modernisieren", löste eine heftige Debatte über diskriminierende Begriffe in Kinderbüchern aus. Im Gespräch mit migrazine.at analysiert die Erziehungswissenschaftlerin Maureen Maisha Eggers die Bedeutung antirassistischer Sprachinterventionen und ortet neue Räume der Solidarisierung.

migrazine.at: Welche rassistischen und kolonialen Traditionen und Stereotype finden sich in deutschsprachigen Kinderbüchern?

Pippi ist Trend

von Jana Sommeregger

Kinder- und Jugendliteratur prägt von frühester Kindheit an unsere Vorstellungen von Geschlecht. Und sie hat sich mittlerweile emanzipiert: Starke Mädchenfiguren gehören zum fixen Figurenrepertoire. Aber wie geschlechtergerecht ist der Kinderbuchsektor wirklich?

1986 erhielt Dagmar Chidolue für ihr Jugendbuch "Lady Punk" über ein unangepasstes Mädchen den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Gestatten: Hermine Potter, Installateurin

Interview mit Renate Tanzberger

Wer identifiziert sich mit welchen Figuren in Kinder- und Jugendbüchern? Und wie steht es um Rollenklischees in Schulmaterialien? migrazine.at fragte beim feministischen Bildungsverein EfEU nach.

migrazine.at: Beim Verein EfEU setzt ihr euch unter anderem für die Erweiterung der Geschlechterrollen von Mädchen und Buben ein – welchen Beitrag kann hier Kinder- und Jugendliteratur leisten?

"Ich hasse Rosa!"

von Carla Heher

Quer durch die Verlage gibt es durchaus progressive und feministische Kinderbücher.

Der Gang in Filialen größerer Buchketten kann aus vielen Gründen deprimierend sein. Beispielsweise kann es passieren, dass auf die Frage "Ich suche Bücher für Zehnjährige" mit der Gegenfrage "Bub oder Mädchen?" geantwortet wird.

Von Marsmädchen und Sternen im Bauch

von Paula Bolyos

Welche Publikationen gibt es für lesbische Jugendliche am deutschsprachigen Buchmarkt? Und welche Themen werden in lesbischen Jugendbüchern behandelt? Eine Auswahl.

Als im September 2011 Rachel Manija Brown und Sherwood Smith ihr post-apokalyptisches Jugendbuch "Stranger" einem großen US-amerikanischen Verlag anboten, wurden sie von diesem aufgefordert, einen der Hauptcharaktere zu "heterosexualisieren".

"Und ich drückte meine Lippen gegen ihre ..."

Interview mit Renaud Lagabrielle

Die aktuellen Kämpfe von Flüchtlingen in Amsterdam, Berlin, Budapest, Den Haag, Lille sowie an den Außengrenzen der EU basieren alle auf ähnlichen politischen Praxen: Flüchtlinge ziehen in Märschen aus räumlicher Peripherie in die Städte, protestieren vor nationalen Parlamenten und errichten im Zentrum dieser Städte Protestcamps. Darüber hinaus sind Kirchenasyl, Hungerstreik und die Besetzung öffentlicher Räume weitverbreitete Mittel, um Forderungen zu stellen, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren und mit den politischen EntscheidungsträgerInnen zu verhandeln. Gemeinsame Forderungen der Flüchtlings-Protestbewegung gibt es zwar nicht, aber die Asylpolitik im EU-europäischen Raum führt zumeist zu fast identischen Forderungen. Die Antwort der Politik auf diese Bewegungen ist von Repression und Ignoranz gekennzeichnet. Was ist Politik? Der Philosoph Jacques Rancière setzt sich in seinen Werken mit dem Begriff des Politischen auseinander und erarbeitet einen theoretischen Rahmen für ein neues Nachdenken über Politik. Sein Interesse gilt dem Dissens, der die institutionellen Mechanismen der Politikgestaltung unterbricht und damit einen neuen und offenen Raum schafft. Die Politik entsteht nach Rancière dann, "... wenn Subjekte die vorgegebene Ordnung infrage stellen und in einen Streit um das Öffentliche eintreten." [1] Das Wesen der Politik finde sich in der streitbaren Auseinandersetzung, die vom Dissens lebt. Demokratie denkt Rancière als gesellschaftliche Bewegung in Form eines kollektiven Austausches von Informationen und Argumenten. Die Flüchtlings-Protestbewegung stellt ein gutes Beispiel dar, um mit Rancière über den politischen Moment nachzudenken. Denn Politik entsteht, so Rancière, wenn eine Ordnung durch gesellschaftliche Gruppen in Frage gestellt wird, die in ihr nicht repräsentiert sind. Das Besondere an der Bewegung der Flüchtlinge ist, dass diese trotz ihres fehlenden rechtlichen Status politische Forderungen stellen und sich Gehör verschaffen, obwohl sie nicht Teil der souveränen Macht und nicht inkludiert sind. Die individuelle Politisierung von Flüchtlingen ist mit vielen Risiken verbunden, da sie schneller abgeschoben werden können, wenn sie als widerständige Subjekte auftreten und so als Einzelne sichtbar werden. Die Forderungen kollektiv und in organisierter Form in die Öffentlichkeit zu tragen, bildet die Stärke der Bewegung. Sprache der Rechte Flüchtlinge bringen sich in der Form des Dissenses ein. Mit ihren Forderungen machen sie auf Probleme und Widersprüche im österreichischen und europäischen Asylregime aufmerksam. Dazu zählen etwa die Forderung nach Zugang zum Arbeitsmarkt, die Forderung nach einem legalen Aufenthalt in Österreich oder die Forderung nach Bewegungsfreiheit. Auf der EU-Ebene wird u.a. die Abschaffung des Dublin-II-Systems verlangt. Die meisten dieser Forderungen sind nicht neu, sondern werden schon seit Jahren von NGO-ExpertInnen, AktivistInnnen und kritischen ForscherInnen vorgebracht, wenngleich sie von der etablierten Politik größtenteils ignoriert werden. Neu ist hingegen, dass Flüchtlinge in Österreich – also die unmittelbar von der Politik Betroffenen selbst – diese Forderungen zum Ausdruck bringen, dass sie sich direkt an die für die Problemlösung verantwortliche Politik richten und sich durch ihren Protest Gehör verschaffen. In ihren Forderungen sprechen sie die Sprache der Rechte, wenn es etwa um das "Recht auf ein menschenwürdiges Leben" geht. "What we demand? Our rights! What we need? Our rights", lautet der beliebte Slogan der Bewegung aus der Wiener Votivkirche. Durch ihre Aktionen versehen sie sich mit der Macht, ihre Forderungen öffentlich wirksam zu machen und zu artikulieren. Schritt für Schritt bewegt sich die Protestbewegung auf diese Weise vom Rande der Gesellschaft in ihr Zentrum indem sie aus entlegenen Gegenden in die Städte marschieren, im Zentrum der Stadt ein Camp errichten, Kirchenasyl nehmen und in Hungerstreik treten. Als TrägerInnen der Bewegung verteidigen sie ihre Position als SprecherInnen. Über ihre Aktionsformen vermitteln sie ihre Forderungen, ermächtigen sich zu politischen Subjekten und versuchen so zu einer Veränderung der dominanten Diskurse und Politikformen beizutragen. Konsens gegen Dissens Jacques Rancière kritisiert, dass heute die Demokratie auf das Management lokaler Konsequenzen globaler Politik reduziert wird. [2] Auf der strukturellen Ebene wird damit kaum auf Probleme eingegangen. Die Politik tritt damit ihre Gestaltungskompetenz an ExpertInnen ab, und Konsens wird zum höchsten demokratischen Wert erklärt. Der Konsens reduziert das Politische auf technisches Verwaltungshandeln ("Polizei") und wirkt entpolitisierend. Die behauptete Alternativlosigkeit führe zur Auslöschung der Demokratie. Ranciere stellt fest, dass gerade in Einwanderungsdebatten der Konsens nicht "untereinander", sondern "gegen den Anderen" hergestellt werde. Die Flüchtlinge thematisieren die Probleme auf der globalen Ebene und gehen auf strukturelle Probleme ein. Die Antwort der etablierten Politik auf die Forderungen der Flüchtlinge entspricht einer Politik des Konsenses. Die Forderungen werden als nicht durchsetzbar abgelehnt. In Österreich reagierte das Innenministerium auf kollektive Forderungen nach Bleiberecht mit dem Einwand, dass etwas anderes als die im Asylverfahren vorgesehene Einzelfallprüfung nicht möglich sei. Die entpolitisierende Wirkung des Konsenses beruht auf einer behaupteten Alternativlosigkeit, die anscheinend nur auf der EU-Ebene verändert werden kann. Der Konsens erkennt nur Verhandlungen zwischen etablierten RepräsentantInnen, darin bekommen die Kämpfe der Flüchtlinge keinen Zugang. Für eine funktionierende Demokratie sind der Streit und die Diskussion über Gesellschaftsentwürfe eine Voraussetzung. In diesem Sinne machen Flüchtlinge Politik. In ihrem Kampf um die Gestaltung des öffentlichen Lebens trägt die Flüchtlings-Protestbewegung zur Demokratisierung bei, indem sie einen neuen Streit öffnet. Folgt man Rancières Definition von Politik, müssen die Logik und die Kräfte des Konsenses bekämpft werden.


Dieser Beitrag erschien erstmals in "asyl aktuell" 1/2013, der Zeitschrift der asylkoordination österreich, und wurde für migrazine.at geringfügig bearbeitet. Anlässlich es Weltflüchtlingstags am 20. Juni ruft die asylkoordination österreich auch heuer wieder gemeinsam mit anderen Organisationen und Einzelpersonen zum European Umbrella March auf. Mehr Infos hier.
Fußnoten und weitere Literatur [1] "Glücksfall Politik", in: der Freitag, 4. Juli 2003 [2] Moments politiques. Interventionen 1977–2009. Zürich: Diaphanes 2011. Jacques Rancière: Das Unvernehmen. Politik und Philosophie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002.

migrazine.at: Du hast am Beispiel von dreißig französischen Kinder- und Jugendbüchern, die zwischen 1989 und 2003 erschienen sind, die Darstellungsweisen von Homosexualität untersucht.

Sexualkunde machen

Interview mit Lilly Axster

"Wenn zwei miteinander schlafen und plötzlich aufs Klo müssen, was dann?" – Das Aufklärungsbuch "DAS machen?" nimmt Kinder ernst und bricht mit Gewohntem.

"DAS machen?" ist ein Aufklärungsbuch für 6- bis 12-Jährige, das vielen Verlagen womöglich "zu queer" war, wie die Autorin Lilly Axster erzählt.

Von Drachenzähmerinnen und Seepferdchen

von Barbara Tinhofer und Kristina Botka und Paweł Kamiński und Ribo Kader und Susita Fink und Svenja Häfner und Therese Kaufmann und Ulli Weish und Verena Turcsanyi

Neun Buchempfehlungen von Eltern und Kindern

Drei Generationen sind begeistert: "Die rote Zora und ihre Bande"

Der rote abgegriffene Buchband ist seit nunmehr sechzig Jahren in unserem "Familienbesitz". Meiner Mutter wurde das Buch von ihrer Hauptschullehrerin in den biederen 1950er-Jahren empfohlen. Das war eine aufgeschlossene, fortschrittliche Frau, die sich gegen sinnlose patriarchale Regeln wehrte. "Die rote Zora und ihre Bande" legte sie allen ihren Schülerinnen ans Herz. Ein so starkes Mädchen wie die Bandenführerin Zora war ein seltenes Rolemodel in dieser Zeit.

Crossover ^

But Some of Us Are Brave (english)

von Sharon Dodua Otoo

Change is coming: The Legacy of Black Female Activists in Germany.

This time last year, the Berlin-based Deutsches Theater had just decided to stop using Blackface in the Thalheimer production of Dea Loher's "Unschuld". This historic event followed weeks of campaigning by outraged critics, concerned theatre-goers as well as other Black, of color and white activist members of the then newly-formed anti-racist initiative Bühnenwatch.

"Bei uns sind UserInnen keine Ware"

Interview mit Uschi Reiter

Die Netzkultur-Initiative servus.at ist derzeit mit einer Budgetkürzung um 43 Prozent konfrontiert. Damit ist die Arbeit des Vereins, der zahlreiche Projekte in Linz mit einer IT-Infrastruktur versorgt, akut gefährdet. Uschi Reiter, Leiterin von servus.at, erläutert im Interview die aktuelle Lage und gibt Einblick in die Arbeit der kulturpolitischen Einrichtung.

migrazine.at: Wie ernst ist die Situation bei servus.at – droht mit der Kürzung das Aus eurer Initiative?

Die Weiten der Intimität

von Bini Adamczak

Einige Gedanken zur romantischen Liebe im Kapitalismus

Zoran Karnuks erster – noch unter dem Namen Sarah Carnac produzierter – Film, "Message in a Commodity" (zu Deutsch etwa: "Die Warenpost") [1], versucht, mit der Kamera die Beziehungen der kapitalistischen Ökonomie zu verbildlichen. Sein Film folgt einer US-amerikanischen Einkäuferin, die eines Tages auf der Innenseite der Blechverpackung ihrer Lieblingskekse zufällig kleine, eingeritzte Botschaften entdeckt, die sie, in der Anonymität ihrer Detroiter Hochhauswohnung einsam geworden, als Liebesbriefe zu entziffern beginnt.

"Schwarze Frauen sind sichtbar geworden"

Interview mit Anna Mandalka

Seit den 1980er-Jahren übersetzt und publiziert der Berliner Orlanda Verlag essenzielle Werke afro-amerikanischer und afro-deutscher Feministinnen. Im Interview mit migracolor>zine.atcolor> erzählt Anna Mandalka von den Anfängen sowie den aktuellen Schwerpunkten bei Orlanda.

migrazine.at: Den Orlanda Verlag gibt es bereits seit 1974. Was war der Anlass der Gründung, und welche Themenschwerpunkte lagen euch damals besonders am Herzen?

Die Forderung nach einem normalen Leben

Interview mit Adalat Khan

Adalat Khan ist seit der Besetzung des Votivparks im November 2012 Teil des Refugee Camp Vienna. Er gehört zu jenen, die am 23. Dezember 2012 in der Wiener Votivkirche aus Protest in den Hungerstreik traten. In den letzten Monaten wurde er wiederholt eingeladen, um in unterschiedlichen Kontexten über die Forderungen der Refugees zu sprechen.

Das folgende Interview wurde auf Englisch geführt und für die Zwecke dieser Publikation bearbeitet. Es spiegelt die Ereignisse bis Ende Februar 2013 wider. Anfang März übersiedelten die streikenden Flüchtlinge nach langen Gesprächen und Verhandlungen ins ehemalige Servitenkloster im 9.

"Frauen wie Audre Lorde haben die DNA für unsere Arbeit gelegt"

Interview mit Tahir Della

Seit 2006 rückt die Wechselausstellung "Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" afro-deutsche Perspektiven auf das Leben in der Bundesrepublik in den Mittelpunkt. Im Gespräch mit Belinda Kazeem spricht Tahir Della, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, über die Hintergründe des Ausstellungsprojekts.

Belinda Kazeem: Lieber Tahir, ich freue mich sehr, dass du zugestimmt hast, mit mir über die Ausstellung "Homestory Deutschland – Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart" zu sprechen.

Audre Lorde: Erkenne deine Kraft

von Anne-K. Jung

Eine schwarze, lesbische Amerikanerin, Dichterin und politische Aktivistin kommt 1984 als Gastprofessorin nach Berlin. Damit beginnt eine Art Liebesaffäre zwischen ihr und dieser Stadt, die mehrere Jahre lang dauern soll und die im Leben vieler Menschen tiefe Spuren hinterlässt. Für die Berliner Frauen- und Lesbenszene und die Community Schwarzer Deutscher wird Audre Lorde zur Inspiratorin, zum zündenden Funken, zur Anleiterin, zur Moderatorin von Prozessen. Der Dokumentarfilm "Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984–1992" von Dagmar Schultz macht diese Momente erlebbar.

Audre Lorde. Audre Geraldine Lorde. Ein Name wie Poesie. Ein Name, der zum Schreiben, Dichten und Denken bestimmt. Seine Trägerin folgte dieser Bestimmung und wurde zu einer der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aktivistinnen des 20. Jahrhunderts. Wer wie ich in den frühen 1990er-Jahren eine lesbische Sozialisierung erfuhr und unter anderem so verrückte Dinge tat wie lesbische Großveranstaltungen zu organisieren, begegnete dem Mythos Audre Lorde auf Schritt und Tritt.

The Demand for a Normal Life (english)

Interview with Adalat Khan

The self-organized protests of refugee activists first became visible in the media with the announcement of a protest march from Traiskirchen to Vienna in November 2012. The refugees set up a protest camp in front of the Votivkirche church for several weeks, until the police evicted them.

Adalat Khan was one of the refugee activists who went on hunger strike in December 2012 after a round table with Caritas and officials representing several affected governmental departments had failed to provide a solution. Despite their precarious status and the looming threat of deportation, the protesting refugees continue to fight for their human rights – they stand up against intransparent legal proceedings and restrictive laws. The following interview reflects the events until February 2013.

"Sich an die eigene Nase zu fassen, ist schwierig"

Interview mit Paula Bulling

In ihrem Comic-Debüt "Im Land der Frühaufsteher" (avant Verlag, 2012) erzählt Paula Bulling vom Alltag von Asylwerber_innen in Deutschland. Im Interview mit migracolor>zine.atcolor> spricht die Berliner Künstlerin über das Politische am Comiczeichnen und den Umgang der Medien mit dem Thema "Weißsein".

migrazine.at: "Im Land der Frühaufsteher" ist entstanden, nachdem du ein halbes Jahr lang mehrere Flüchtlingsheime in Sachsen-Anhalt besucht und intensive Gespräche mit Refugees geführt hast. Hattest du von Anfang an geplant, eine Graphic Novel über den Alltag von Flüchtlingen zu gestalten?

Dissens mit der Politik: Die Flüchtlings-Protestbewegung in Wien

von Ilker Ataç

Die Flüchtlings-Protestbewegung stellt ein gutes Beispiel dar, um mit dem französischen Philosophen Jacques Rancière über den politischen Moment nachzudenken.

Die aktuellen Kämpfe von Flüchtlingen in Amsterdam, Berlin, Budapest, Den Haag, Lille sowie an den Außengrenzen der EU basieren alle auf ähnlichen politischen Praxen: Flüchtlinge ziehen in Märschen aus räumlicher Peripherie in die Städte, protestieren vor nationalen Parlamenten und errichten im Z