Editorial

Körper, Gesundheit, Migration

Die Begriffe Körper, Gesundheit und Migration beschreiben ein Dreieck, mit dem maiz sich in den letzten Jahren, insbesondere im Projekt "Das Leben hat Gewicht!" (Laufzeit: Mai 2015 - Mai 2017), verstärkt beschäftigt hat. Der Einstiegstext dieses Schwerpunkts bietet einen Einblick in die Themen und Auseinandersetzungen dieses Projekts. Es handelt sich um ein Projekt der Primärprävention von Essstörungen, in dem migrationsgesellschaftliche Verhältnisse und (Flucht-)Migrationserfahrungen von Jugendlichen explizit einbezogen werden.

Dass Prävention und Gesundheitsförderung nicht nur individuelles Verhalten, sondern auch gesellschaftliche Verhältnisse adressieren sollten, betont auch Tanja Gangarova von der Deutschen Aidshilfe in ihrem Beitrag zum Konzept der Strukturellen Prävention. Die darauf folgenden Beiträge von maiz stellen Methoden aus dem Projekt "Das Leben hat Gewicht!" vor: Yolanda Delgado Malarín berichtet im Interview über das "Kochlabor", in dem Kochen und Essen als gemeinschaftsstiftende, künstlerische, lustvolle Tätigkeit fokussiert wurden. Im zweiten Text geht es um künstlerische Prozesse, die beim Aufbau des eigenen Körper- und Selbstbilds mitwirken können, denn Kunst bietet die Möglichkeit, gesellschaftliche Verhältnisse distanziert zu betrachten und eigene Zugänge, Wünsche und Utopien zu entwickeln und aufzuzeigen.

María Teresa Herrera Vívar reflektiert in ihrem Essay aus postkolonial-feministischer Perspektive über ihre Körpererfahrungen im Kontext weißer, eurozentristischer, heteropatriarchaler, ableistischer Normen. In einer Interview- und Fotoserie porträtiert Maira Enesi Caixeta junge Migrant*innen aus Wien. Sie fokussiert den Zusammenhang von Körper und Migration und beschäftigt sich so mit dem Spannungsfeld von Fremd- und Selbstrepräsentation. Hengameh Yaghoobifarah wiederum setzt sich mit dem Zusammenhang von Fat-Shaming und Rassismus auseinander. Schlanksein ist eine eurozentristische Schönheitsnorm, was jedoch Fat-Shaming auch außerhalb von Europa bzw. von weiß-deutschen Communities nicht ausschließt.

Alle Beiträge verdeutlichen die Eingebundenheit des Körpers und seiner Praxen in migrationsgesellschaftliche und postkoloniale Verhältnisse, die von Rassismus geprägt sind, sowie die Folgen dieser Eingebundenheit für die Lebenserfahrungen von Migrant*innen und People of Colour. Zugleich zeigen die Beiträge unterschiedlichste Kämpfe, Strategien und Ansatzpunkte auf, um - ganz im Sinne von kritischer Gesundheitsförderung und Prävention - diese Verhältnisse zu verändern.