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Editorial

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von migrazine
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© Drago Xie
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Intimität in Zeiten der Distanz

Intimität kann bedeuten, erotisch und spirituell mit anderen Körpern verbunden zu sein. Intimität kann auch bedeuten, mit anderen Menschen verbunden zu sein, nicht unbedingt auf eine sexuelle Weise, sondern sich sicher, wohl, entspannt, frei zu fühlen... Wir sind intim mit Liebhaber_innen, Freund_innen, der Familie, aber auch mit uns selbst.

Vergnügen, insbesondere sexuelles Vergnügen, das mit einer intimen Erfahrung verbunden ist, kann ermächtigend sein, und deshalb ist es befreiend, Räume zu haben, in denen Menschen intim sein können. Räume, Architektur und Parks können durch ihre einladende Atmosphäre und ihre antidiskriminierende Politik eine gewisse Intimität bieten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, Intimität zu ermöglichen und sich ihr anzunähern. So kann Intimität beispielsweise im Fall von Sex- oder Pflegearbeit in der Migrationserfahrung anders verstanden werden als in anderen Kontexten.

Welche Rolle spielen Exotisierung und Machtdynamik in Bezug auf Intimität für Migrant_innen in "post"-kolonialen Gesellschaften? Was haben feministische Pornos, Post-Pornos, sex-positive und anti-ausbeuterische Pornos in Bezug auf unser Verständnis von Intimität und Raum gebracht oder verändert? Wie hat sich in Zeiten der Pandemie und nach neuen Definitionen von Intimität der Körperkontakt neu definiert? Wie viel ist das Mindestmaß an Nähe und wie viel ist zu viel...? Und schließlich, wenn man die Verteilung und Zugänglichkeit von Tests und Impfstoffen betrachtet, wer kann es sich leisten, mehr Risiken einzugehen, um intim zu sein, und wer nicht, je nachdem, auf welcher Seite des Globus eine Person sich befindet?

Intimacy in Times of Distance 

To be intimate can mean being erotically and spiritually connected to other bodies. Intimacy can also mean being connected with other persons, not necessarily in a sexual way, but feeling safe, comfortable, relaxed, free… We are intimate with lovers, friends, family, but also with ourselves.

Pleasure, especially sexual pleasure that is connected to an intimate experience, can be empowering, and so having spaces where one can be intimate is liberating. Spaces, architecture, and parks can offer certain intimacy through their inviting atmospheres as well as their anti-discriminatory politics. Many factors play a role in enabling and approaching intimacy, so, for example, in the case of sex or care work in the migration experience, intimacy might be understood differently than in other context. 

What role do exotization and power dynamics play in terms of intimacy for migrants in “post”-colonial societies? What has feminist porn, post-porn, sex positive anti-exploitative pornography brought or changed in regards to our understanding of intimacy and space? 

In times of a pandemic, and after new definitions of what intimacy signifies, how has body contact been redefined? How much is the minimum proximity and how much is too much…? And lastly, considering distribution and accessibility to tests and vaccines, who can afford to take more risks to be intimate, and who can not, depending on which side of the globe they are?
 

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