"Come on Baby, Light My Fire ..."

"... everything you drop is so tired / Music is supposed to inspire / How come we ain't getting no higher?" – Lauren Hills Proklamation wird hier beim Wort genommen: Ansichten auf emanzipatorisch inspirierte Musik von Reggae/Dancehall-Artists.

1987 machte Macka Diamond aka Lady Mackerel zum ersten Mal mit "Don Girl" (im Sinne eines "well respected girl") auf sich aufmerksam – eine Antwort auf Major Mackerels "Don Man". Damit hat sie sich als eine der frechen und um Gleichberechtigung bemühten Dancehall-Queens hervorgetan. Mit der Nummer "Tek Con" (2003) entgegnete sie abermals einer chauvinistischen Nummer, nämlich "Tek Buddy Gyal" von Vybz Kartel. Sie erklärte im Song, dass sie keine Ware sei und zementierte so ihren Ruf als Feministin innerhalb der jamaikanischen Musikszene.

Mit noch expliziteren Lyrics arbeitet Lady Saw, die Begründerin des "Rude Gyal"-Style. Von einigen wird sie verdammt, weil sie sexuell überaffirmativ performt, von anderen wird sie gefeiert, weil sie einem dominanten männlichen Potenz-Posing eine selbstbewusste weibliche Sexualität entgegensetzt. In "Darnest Things" (1998) rät sie Frauen, ihre Integrität und ihren Stolz gegenüber sexueller Objektivierung zu behalten, sich nicht einlullen zu lassen. Vor ungeschütztem heterosexuellem Sex warnt sie Mädchen in "Condom" (1996).

Nuff Respect

Mit "Roll It Gal" (2005) beschwört die "Queen of Soca" Alison Hinds ebenfalls die Macht und Selbstbestimmung des weiblichen Körpers. Sie erobert den Calypso und seine Tanzformen zur Ermächtigung von Frauen (zurück) und subvertiert traditionelle Repräsentationen von Weiblichkeit in ihren Songs bzw. Auftritten.

Eine Künstlerin, die Slackness als Vehikel für ihre Messages dezidiert verweigert, ist Lady G aka Janice Fyffe. Sie schuf mit "Nuff Rescpect" (1988) eine Hymne für weibliche Dancehall-Fans und eine gesungene Warnung an alle Macker.

Allen diesen Künstlerinnen ist gemeinsam, dass sie sich auf eine heteronormative Geschlechterordnung beziehen und vereinzelt auch Abfälliges über Homosexualität oder Queerness von sich geben. Das birgt eine gewisse Ambivalenz, wie so einiges in der Dancehall, soll aber den Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung nicht schmälern.

Love & Tolerance

Tanya Stephens allerdings, die in ihrer frühen Karriere oft mit Lady Saw verglichen wurde, spricht sich nunmehr gegen Slackness, Objektivierung von Frauen sowie gegen Bigotterie und Diskriminierung in der Dancehall aus. Es soll wieder um mehr als bloß um Provokation und Verdammung gehen. Sie setzt Zeichen mit Songs wie "Still Alive" (2010), der von Ungleichbehandlung gegenüber AIDS/HIV-Betroffenen handelt. Und sie bezieht mit "Do You Still Care" (2006) ausdrücklich gegen Homophobie Stellung.

Ein Regenbogen ziert das Cover von "Tolerance" (2011), das erste pro-gay Reggae-Album, produziert von Mista Majah P aka The Maverick. Er bezeichnet sich selbst als "straight but not narrow" und will der Hate Speech in der Dancehall etwas entgegenhalten. So singt er in "Don't Ask Don't Tell" über (versteckte) Homosexualität im Militär, fordert gleiche Rechte für alle in "Love and Tolerance" und "Gay Adoption" oder adressiert den ehemaligen jamaikanischen Premier in "Letter to Bruce Golding".

Hier noch ein Tool, um die in Patois gehaltenen Lyrics besser zu verstehen: niceup.com/patois.html