Ausgabe 2017/2

Werte

Artwork: Adriana Torres Topaga

Die künstlerische Auseinandersetzung von maiz eröffnet den Schwerpunkt mit einem Einblick in die Wertedebatte. Auch das Video zum Wissenslabor: "Kritische Wissensproduktion zum Thema Werte" bringt den Ausgangspunkt dieser Ausgabe näher. Bei dieser Veranstaltung der Universität der Ignorant*innen (maiz/das kollektiv) wurde der Organisierung der Lehrenden im Feld DaF/DaZ/Basisbildung als Positionierung zum herrschenden Wertediskurs, ein Startpunkt gesetzt.

Fokus ^

Editorial Werte

Die künstlerische Auseinandersetzung von maiz eröffnet den Schwerpunkt mit einem Einblick in die Wertedebatte. Auch das Video zum Wissenslabor: "Kritische Wissensproduktion zum Thema Werte" bringt den Ausgangspunkt dieser Ausgabe näher. Bei dieser Veranstaltung der Universität der Ignorant*innen (maiz/das kollektiv) wurde der Organisierung der Lehrenden im Feld DaF/DaZ/Basisbildung als Positionierung zum herrschenden Wertediskurs, ein Startpunkt gesetzt.

Wissenslabor: Kritische Wissensproduktion zum Thema Werte

von maiz

Das Video gibt Einblick in das von maiz veranstaltete Wissenslabor mit dem Titel: "Grenzüberschreibende Wander-Werte“ vom 31. März und 1. April 2017. Dieses setzte sich mit kritischer Wissensproduktion zum Thema Werte auseinander. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem kollektiv, trafo.k, der Kunstuniversität Linz und der Akademie der Bildenden Künste Wien organisiert. Das Video ist bereits im September 2017 auf der Webseite von dorf tv – UserInnen-generiertes Fernsehen veröffentlicht worden.

Und nun, Kolleg_innen, was tun?

von Rubia Salgado und Gergana Mineva

"Lassen Sie sich Zeit, aber tun Sie es schnell, denn Sie wissen nicht, was Sie erwartet." (Derrida 2001: 78)

Unsere Stimmen in diesem Text entstehen in und aus der Erfahrung der Mit-Gründung, der Mit-Erhaltung und der Mit-Gestaltung einer Organisation und einer kontinuierlichen politischen Organisierung von Migrant_innen in Linz, Oberösterreich, trotz allem. Geleitet von rassismuskritischen und queer-feministischen Perspektiven und Zielen, konzipieren und führen wir Basisbildungskurse (Deutsch als Zweitsprache, Informations- und Kommunikationstechnik, Mathematik, Englisch, Alphabetisierung) und Lehrgänge zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses für erwachsene Migrant_innen und Geflüchtete durch.

Franz Kafka lässt grüßen

von Anonym

Vorige Woche lese ich in einem Informationsblatt, das ich auf der Homepage von ÖIF gefunden habe, dass Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte (ab dem vollendeten 15. Lebensjahr, denen der Status nach dem 31.12.2014 zuerkannt wurde) eine Integrationserklärung unterschreiben müssen. Damit verpflichten sie sich "zum einen, die grundlegenden Werte der Rechts‐ und Gesellschaftsordnung einzuhalten, und zum anderen, dass sie der gesetzlichen Pflicht nachkommen, an den angebotenen Deutsch‐ und Wertekursmaßnahmen teilzunehmen, mitzuwirken und diese abzuschließen."

Franz Kafka lässt grüßen II: Im Labyrinth des ÖIF

von Anonym

Einige Tage später versuche ich abermals mein Glück und rufe wieder beim ÖIF an. Ich erreiche die stellvertretende Leiterin des Teams Werte. Sie ist freundlich und hilfsbereit. Als ich sie frage, was denn genau die "Werte der Rechts- und Gesellschaftsordnung" laut Integrationsgesetz seien, antwortet sie: "Gute Frage! Damit werden wohl die neun Module auf der Homepage vom ÖIF gemeint sein."

Sie sei nur Koordinatorin der Wertekurse, mehr könne sie mir nicht sagen. Aber die Rechtsabteilung werde mir sicher Auskunft geben.

Rapadura ist süß, aber gar nicht weich

von Danielli Cavalcanti

Eines Tages sagte unsere Deutschtrainerin, dass wir die Werte und Regeln, die in Österreich gelten, lernen müssen. Dann bekam jede Kursteilnehmerin eine Broschüre. Die Trainerin sagte, dass wir mit den einfachsten Sachen beginnen sollen und las vor: "Wenn man Nachbarinnen und Nachbarn im Garten, auf der Straße oder im Haus trifft, ist es respektvoll, wenn man sich grüßt oder kurz miteinander spricht."

würdevoll oder integrationsverweigerns-wert

von Anahí Sutana

Ob Innen- oder Außenministerium, Integrations- oder Bildungsbeauftragte, für alle in Sachen Migration und Asyl verantwortlichen Instanzen lautet das Zauberwort heute: EUROPÄISCHE WERTE.

Während mit der wachsenden Gleichgültigkeit und Normalisierung gegenüber den Tragödien im Mittelmeer und den andauernden Kriegszuständen weltweit die Menschenrechte komplett abzurutschen drohen, weichen ethische Gesichtspunkte zunehmend einer Untermauerung vermeintlicher Werte, die als "unsere" propagiert werden. "In der Tat ist der barbarische Begriff, der aus der Finanzwirtschaft stammt, erst nach 1850 in die Philosophie und erst in den 20er Jahren in die Trivialsprache eingedrungen", schreibt Günther Anders zum Begriff "Werte". (Anders 1982: 131)

Crossover ^

Editorial Crossover

Das Crossover dieser Ausgabe ist zweigeteilt und dokumentiert eine Reihe an Positionen zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Im ersten Teil sind zwei Texte zu finden, die sich mit den Themen Selbstbestimmung, Selbstfürsorge und Selbstidentität auseinandersetzen.

Editorial Im Gespräch

Das Pixel lässt Menschen in Form von Interviews miteinander ins Gespräch kommen. Vina Yun sprach mit der Aktivistin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen Sylvia Köchl über die NS-Verfolgung der sogenannten Berufsverbrecher*innen. Maia Benashvili befragte Kirsi Marie Liimatainen zu ihrem Dokumentarfilm "Comrade, Where Are You Today? - Der Traum der Revolution", der von ihrer Kindheit in den 1980er-Jahren an der FDJ-Jugendhochschule Wilhelm Pieck am Bogensee in der Nähe Berlins während der DDR-Zeit erzählt.

Dichotomien in Diskursen über Sexarbeit

von maiz

Aufdeckungen und Problematisierungen aus der Perspektive einer Migrant*innen-Selbstorganisation

Das Arbeitsfeld der Sexarbeit wird häufig aus einer voyeuristischen Perspektive betrachtet, zahlreiche Klischees und Stereotype werden dabei reproduziert und verfestigt. Den rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die für die Branche von Relevanz sind, wird hingegen oftmals nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt. Politische Debatten und Diskurse über Sexarbeit müssen in den Blick genommen werden, da sie wirkmächtig sind und wiederum die strukturellen Rahmenbedingungen beeinflussen.

Der "falsche" Winkel

Interview mit Sylvia Köchl

Die NS-Verfolgung der sogenannten Berufsverbrecher_innen ist kaum erforscht. Dabei sind ihre Auswirkungen bis heute spürbar.

In ihrem Buch "Das Bedürfnis nach gerechter Sühne" (Mandelbaum Verlag 2016) arbeitet Sylvia Köchl die nur wenig bekannte Geschichte der sogenannten Berufsverbrecher_innen und deren Verfolgung unter dem NS-Regime auf. Jahrelang recherchierte die Wiener Politikwissenschaftlerin und Journalistin das Schicksal von acht "Berufsverbrecherinnen" - Diebinnen und Abtreiberinnen -, die von Österreich nach Ravensbrück deportiert wurden, wo sich das größte Konzentrationslager für Frauen im "Deutschen Reich" befand.

White Men Sleep the Best (english)

von Iris Rajanayagam und Mai Zeidani Yufanyi

White Men Sleep the Best[1]- In this essay we would like to discuss the serious health issues and the role of mental health and the physical wellbeing of Black Women (BW) and Women of Colour (WoC). We would also like to focus on the importance of body sovereignty and acknowledgement, as well as the recognition of the significance that mental strength has towards the struggle of Feminisms of Colour in postcolonial Germany.

White Men
In many ways Germany suffers from the same racism as the rest of Europe. The social acceptability of racist ideas and views has been creeping back into European societies for about three decades now, and has seen increasing legitimation in the last couple of years. For Germany this can be seen most evidently in the recent election results in which the far-right party the AFD got more than 12% of the votes.

"Sie möchten die Welt verändern … aber wie …?"

Interview mit Kirsi Marie Liimatainen

Der Dokumentarfilm "Comrade, Where Are You Today? - Der Traum der Revolution" erzählt eine Geschichte der finnischen Regisseurin Kirsi Marie Liimatainen (Jahrgang 1968), die von ihrer Kindheit über die 1980er-Jahre an der FDJ-Jugendhochschule Wilhelm Pieck am Bogensee in der Nähe Berlins von der DDR-Zeit bis heute stattfindet und einen besonderen Blick auf Linke Bewegungen ermöglicht.

migrazine.at: Du hast den Film gedreht, wo du am Anfang deine Geschichte von der Aktivist*innen-Hochschule am Bogensee erzählst und dann, wie du später auf die Suche nach den Kamerad*innen gehst, um herauszufinden, was sie heute (noch) machen. Mich würde interessieren, was dich dazu bewegt hat, diesen Film zu drehen, und wie lange es gedauert hat?

"Homestories" – Ein Comic über die koreanische Diaspora in Wien

von Vina Yun

Der semidokumentarische Comic "Homestories" erzählt von der Geschichte der koreanischen Migration nach Österreich sowie vom Aufwachsen der Kinder der Einwander*innen von damals, der Zweiten Generation.

Mit geschätzt sieben Millionen Menschen zählen Kyopos ("Auslandskoreaner*innen") zu den weltweit größten diasporischen Gemeinschaften. Dennoch ist die Geschichte der koreanischen Migration nach Österreich nur den allerwenigsten bekannt.

Welten öffnen, nicht Nischen!

Interview mit kollektiv sprachwechsel

Literatur in der Zweitsprache

migrazine.at: Das kollektiv sprachwechsel trifft sich jeden zweiten Mittwoch und lädt Schreibende in der Zweitsprache Deutsch zum Austausch ein. Könnt ihr kurz etwas zu eurem Namen und die Entstehungsgeschichte(n) erzählen und beschreiben, wie und warum ihr euch gegründet habt?

Trautes Heim Glück allein / Mi casa es su casa / My home is my castle

von Adriana Torres Topaga

Skulptur
2016
Größe: 400 cm Durchmesser
Haus 180 x 130 x 180 cm
Materialien: Glasscherben, Stacheldraht, Eisenrohre

Räumliche Gedanken über das Haus und Zuhause. Ein Zeichen im Raum, welches anwesende Widersprüche in sich birgt. Es betrifft Fragen des Territoriums, die Gestaltung und Suche nach einem Zuhause, aber gleichzeitig beleuchtet es Konstrukte wie Abgrenzung und Isolation.
Drei sprachliche Räume, in denen ich mich bewege und große Zweifeln habe bei einer wahren Redewendung.
Ein sehnsüchtiger Ort: das Zuhause / eine Idee im Raum: das Haus

Tassen fürs Sprachcafé

von Sainzaya Tsengel

Als ich nach Österreich kam, habe ich angefangen, Deutsch zu lernen. Mein Wunsch, Deutsch schnell zu lernen, war groß. Ich könnte mit ganz vielen Leuten kommunizieren, wenn ich Deutsch könnte. Und letztendlich könnte ich mein Studium auf Deutsch beginnen. Ich lernte intensiv Deutsch und suchte nach Gelegenheiten, Deutsch zu sprechen. Folglich ging ich zu den Sprachcafés. Dort traf ich viele Menschen, die mit dem Lernen der deutschen Sprache Schwierigkeiten hatten.