Ein sicherer Raum für künstlerische Produktion

„ a call to save: the safe space“ Ausstellung im Rahmen der Kampagne „Pay the artist now“ Galerie IG Bildende Kunst

Das Konzept des Safe Spaces beschreibt einen Ort, der sicher gegen Diskriminierungen aller Art ist. Der Safe Space sorgt u.a. dafür, dass Menschen, die unter diskriminierende Aussagen oder Maßnahmen gelitten haben, sich über die schmerzende Ereignisse austauschen können und gemeinsam nach Strategien suchen. Eine andere Art von sicherem Ort wird in Virginia Woolfs Buch Ein Zimmer für sich allein beschrieben. Dieser Ort, der außerhalb der alltäglichen Tätigkeiten liegt, bietet eine ökonomische Sicherheit für die freie Auseinandersetzung mit Ideen.

Zwischen beiden sicheren Orten, die sowohl konzeptuell als auch in der Zeit in der sie entstanden sind ganz weit von einander liegen, gibt es etwas, was ich als „Sicherer Raum für künstlerische Produktion“ benennen möchte. Dieser Raum nimmt unterschiedliche Elementen aus den oben beschriebenen sichereren Räumen auf. Es ist ein Raum in dem Künstler*innen, ungestört von finanziellen Sorgen, sich ihrer kreativen Tätigkeit widmen können. Gleichzeitig ist der „Sichere Raum für künstlerische Produktion“ ein Raum der künstlerischen Gemeinschaft, in dem über Ängste, Erfahrungen und Schwierigkeiten in der Verhandlung mit Kunst- und Kulturinstitutionen geredet werden kann.

Die Ausstellung „a call to save: the safe space“ läuft im Rahmen der Kampagne „pay the artist now“, welche die IG Bildende Kunst im Jahr 2013 gestartet hat. Sie ist ein Appell an Institutionen sowie an Museen und Bildungseinrichtungen, die sich weiterhin von der Arbeit bildender Künstler*innen bedienen, eine gerechte Bezahlung einzuplanen. Sie ist aber auch ein Appell an die künstlerische Gemeinschaft nach gemeinsamen Strategien zu suchen, wie wir z.B. die Zusammenarbeit mit Institutionen zu unseren Gunsten gestalten können.

Künstlerische Produktion, die gesellschaftskritisch ist und Marktunabhängig existieren will, muss die Möglichkeit genießen können, vom Staat und deren Einrichtungen finanziert zu werden. Es ist wichtig, gerade in politischen Krisenzeiten, dass bildende Künstler*innen ihre Arbeit bezahlt bekommen. Die Gefahr, dass gerade Künstler*innen, die aus intersektionalen Gründen in einer prekären Situation leben, aufhören Kunst zu produzieren, kann sich keine Regierung und auch keine Gesellschaft, die an ihre selbstkritischen Fähigkeiten noch glaubt, leisten.

Die Arbeit der Künstlerin Sattva Giacosa zeigt den nackten Körper einer Frau, die über ihre Habseligkeiten liegt. Das Bild wurde an eine der Wände der Galerie der IG Bildende Kunst plakatiert. Hier liegen Technik und Inhalt sehr nahe bei einander. Beide sprechen über Prekarität und Vergänglichkeit, das Leben ist hier und jetzt wo ich mich zugehörig fühle. Giacosa schafft es, mit dem Bild die Situation vieler migrantischen Frauen zu beschreiben, oft sind die Sachen die uns auf einer Reise begleiten die, die uns Sicherheit und Geborgenheit geben. Eine andere Arbeit mit den Worten „trust the knowledge of not knowing“ liegt am Boden. Beide Arbeiten stellen die Idee der Sicherheit als einzige Möglichkeit, sich in einer Situation wohl zu fühlen, in Frage. Während die Frau auf das Wenige, was sie besitzt, liegt, um sich zu spüren, hinterfragt die andere Arbeit den Wert von Wissen, vor allem von akademischem Wissen, in unserer Gesellschaft.

Anna Vasof zeigt uns mit zwei Installationen und zwei Videoarbeiten die permanente Lage in der sich Künstler*innen befinden. Wir wissen, dass es Ressourcen gibt, aber diese scheinen oft unerreichbar zu sein, auch weil nicht alle den gleichen Zugang zu diesen Ressourcen haben. In ihren Arbeiten schafft Anna Vasof mit einfachen Mitteln wie z.B. einem Topf mit laufendem Wasser, in dem eine Gabel eine Nudel erfolglos verfolgt, humorvolle Installationen.

Beide künstlerische Positionen stellen einen IST-Zustand dar und bieten an sich keine Lösungen für unsere Fragestellungen über das Thema Kunst und Geld, diese werden erst mit der Auseinandersetzung über den Wert der eigenen Beschäftigung im kreativen Prozess kommen.

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Sattva Giacosa, Room Series Nr 3, 2018
Foto: Claudia Sandoval Romero

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Anna Vasof, Almost paid, 2018
Foto: Anna Vasof