Kritik, die ungehört verhallt

Die Thematisierung von Klassismus in queer_feministischen Zusammenhängen ist nicht neu. Und doch hat sich in den letzten fünfzig Jahren nur wenig verändert.

Die erste Auseinandersetzung mit dem Begriff "Klassismus" findet sich in einer Essay-Sammlung der überwiegend proletarischen Lesbengruppe The Furies, die 1974 unter dem Titel "Class & Feminism" veröffentlicht wurde. Sie beinhaltet viel Kritik an der eigenen Szene, die sich zum Großteil auch auf die heutigen Verhältnisse übertragen lässt. So problematisierten die Aktivistinnen schon damals die für sie unverständliche Haltung finanziell besser gestellter Mitstreiterinnen, (potenziell) vorhandenes Geld lieber zu verleugnen statt zu teilen.

F.A.Q. "Zweite Generation"

Über Herkunftsdialoge und doppeltes Anderssein. Ein Kommentar.

Ich gehöre zu den ältesten der in Österreich geborenen Kinder südkoreanischer Einwander_innen, die ab den 1970er Jahren hierher migrierten. Meiner Erinnerung nach hörte ich die Bezeichnung "Zweite Generation" zum ersten Mal am Gymnasium, aus dem Mund einer Lehrerin, die (natürlich nur in bester Absicht) meinen angeblichen "Identitätskonflikt" in Worte zu fassen versuchte.

Editorial

Körper, Gesundheit, Migration

Die Begriffe Körper, Gesundheit und Migration beschreiben ein Dreieck, mit dem maiz sich in den letzten Jahren, insbesondere im Projekt "Das Leben hat Gewicht!" (Laufzeit: Mai 2015 - Mai 2017), verstärkt beschäftigt hat. Der Einstiegstext dieses Schwerpunkts bietet einen Einblick in die Themen und Auseinandersetzungen dieses Projekts. Es handelt sich um ein Projekt der Primärprävention von Essstörungen, in dem migrationsgesellschaftliche Verhältnisse und (Flucht-)Migrationserfahrungen von Jugendlichen explizit einbezogen werden.

Ein sicherer Raum für künstlerische Produktion

„ a call to save: the safe space“ Ausstellung im Rahmen der Kampagne „Pay the artist now“ Galerie IG Bildende Kunst

Das Konzept des Safe Spaces beschreibt einen Ort, der sicher gegen Diskriminierungen aller Art ist. Der Safe Space sorgt u.a. dafür, dass Menschen, die unter diskriminierende Aussagen oder Maßnahmen gelitten haben, sich über die schmerzende Ereignisse austauschen können und gemeinsam nach Strategien suchen. Eine andere Art von sicherem Ort wird in Virginia Woolfs Buch Ein Zimmer für sich allein beschrieben. Dieser Ort, der außerhalb der alltäglichen Tätigkeiten liegt, bietet eine ökonomische Sicherheit für die freie Auseinandersetzung mit Ideen.

Make Some Noise Against Homophobia!

"Battyboy"-Tunes und der Widerstand dagegen

Seit 2003 gibt es in Nordamerika und Europa immer wieder Anti-Homophobie-Kampagnen gegen Auftritte von Reggae- und Dancehall-Entertainer_innen aus Jamaika. Oft werden Konzerte aufgrund des öffentlichen Drucks von Organisationen für die Rechte von LGBTIQ abgesagt. Hauptakteurin auf internationaler Ebene war diesbezüglich lange Zeit die britische LGBTIQ-Organisation OutRage! und deren Sprecher Peter Tatchell.

Die Hauptschule: Ein Ort der Verachtung

Für die Reproduktion von Klassenverhältnissen spielen staatliche Institutionen wie die Schule eine entscheidende Rolle. Die Hauptschule erscheint dabei als eine institutionalisierte Form von Klassismus.

Die in den 1960er Jahren in Deutschland entstandene Hauptschule zielte ursprünglich auf eine praktische Berufsausbildung ab. Im Laufe der Jahre jedoch wurde sie vor allem in den Großstädten zu einer "Restschule" für Arme und MigrantInnen. Während das Gymnasium die Tore zu den Universitäten öffnet und die Realschule Wege zur Ausbildung ebnet, führt der Hauptschulabschluss häufig in die Arbeitslosigkeit.

"Das Leben hat Gewicht!" - ein Projekt der Primärprävention von Essstörungen im Kontext von Migration

"Essstörungen sind keine Ernährungsstörungen" (Wimmer-Puchinger 2015).

Migration und Essstörungen?! Diese Verknüpfung mag unerwartet erscheinen, und in der Tat geht damit die Gefahr einher, einer Pathologisierung von Migration Vorschub zu leisten. Im Projekt "Das Leben hat Gewicht!" (Laufzeit: Mai 2015 – Mai 2017) geht es jedoch keinesfalls darum, Migration zum Gesundheitsproblem zu erklären. Vielmehr wird gefragt, welche gesellschaftlichen Verhältnisse dazu führen, dass Migrant*innen erhöhten psychischen Belastungen ausgesetzt sind - was sich u.a. in erhöhten Essstörungsprävalenzen zeigt (siehe unten).

Rapadura ist süß, aber gar nicht weich

Eines Tages sagte unsere Deutschtrainerin, dass wir die Werte und Regeln, die in Österreich gelten, lernen müssen. Dann bekam jede Kursteilnehmerin eine Broschüre. Die Trainerin sagte, dass wir mit den einfachsten Sachen beginnen sollen und las vor: "Wenn man Nachbarinnen und Nachbarn im Garten, auf der Straße oder im Haus trifft, ist es respektvoll, wenn man sich grüßt oder kurz miteinander spricht."

...an der Solidarität mit leidenden Gruppen festhalten

Interview mit: 
Erden Kosova
Interview mit: 
Sunanda Mesquita

Interview mit Sunanda Mesquita und Erden Kosova

Bildpunkt: Sunanda, Du hast 2013 We Dey – platform for contemporary arts und Anfang letzten Jahrs We Dey x Space mitgegründet. Der Kunstraum versteht sich als Ort für Künstler*innen of Colour und Schwarze Künstler*innen. Was war der Anlass für diese Form der identitätspolitischen Organisierung?

"Österreich ist nicht interessiert"

Interview mit: 
Gerd Valchars

Blickt man über Österreichs Grenzen hinaus, wird klar: Das Wahlrecht für MigrantInnen ohne den "richtigen" Pass ist keine Utopie.

In vielen Ländern kann ich nur dann wählen gehen oder für politische Ämter gewählt werden, wenn ich die StaatsbürgerInnenschaft des jeweiligen Landes besitze. Waren in der Geschichte StaatsbürgerInnenschaft und Wahlrecht schon immer aneinander gekoppelt?