"Kritisches Weißsein ist eine Überlebensstrategie"

Interview mit: 
Peggy Piesche

Für Schwarze Menschen hat Kritische Weißseinsforschung eine lange Tradition. Rafaela Siegenthaler sprach mit Peggy Piesche über den Import von US-amerikanischen Debatten, die Akademisierung von Weißseins-Diskursen und weiße Herrschaftsansprüche.

migrazine.at: In deutschsprachigen Diskursen ist die Verwendung des englischsprachigen Begriffs "Critical Whiteness Studies" üblich. Im Sammelband "Mythen, Masken und Subjekte", den Sie mit herausgegeben haben, wird dennoch die Bezeichnung Kritische Weißseinsforschung verwendet – warum?

Zur Wirkungsmacht des Blutmythos

In den allermeisten antisemitischen Stereotypen finden sich Bilder des "eigenen" und "fremden" Bluts - von der jüdischen "Blutschuld" am Tode Jesu Christi bis zur NS-Diktion der "Blutschande".

Die Leidenschaft, mit der bis heute in Österreich gegen das Schächten (rituelles Schlachten) gekämpft wird, verweist weniger auf die Tierliebe als auf die anhaltende Wirkungsmacht von Fantasien, die sich rund um das Blut gruppieren. Fast alle antisemitischen Stereotype hängen mit Bildern des (eigenen wie fremden) Bluts zusammen, die sich im Laufe der Zeit zu richtiggehenden Mythen verdichteten.

Die Blutspende als sozialer Vertrag

Um kaum einen anderen Stoff ranken sich derart viele Fantasien und Mythen wie um diesen besonderen Saft: Blut. migrazine.at machte 2014 die ambivalenten Bedeutungen, die Blut eingeschrieben sind, zu einem Schwerpunkt. Veronika Siegl analysiert, wie die Blutspende sowohl die Idee des gesellschaftlichen Zusammenhalts als auch ihre strukturellen Ausschlüsse widerspiegelt.

Im Februar 2014 brach eine öffentliche Diskussion aus, als eine Ärztin des Oberösterreichischen Roten Kreuzes eine Blutspendenaktion der Islamischen Religionsgemeinschaft Linz ablehnte. Ihre Begründung: Menschen "muslimischer" oder "türkischer Herkunft" kämen aus "medizinischen Gründen" für eine Blutspende prinzipiell nicht in Frage. [1] Nachdem der Fall in die Medien gekommen war, entschuldigte sich das Rote Kreuz und stellte klar, dass Menschen mit Migrationshintergrund als Blutspender_innen "jederzeit herzlich willkommen" seien.

Freiwilliges Engagement für Geflüchtete: Was gibt's daran zu problematisieren?

Seit dem "Sommer der Migration" engagieren sich unzählige Freiwillige, um Geflüchtete zu unterstützen: Sie kochen und verteilen Essen, begleiten zu Ämtern, übersetzen, suchen Wohnungen, informieren, beraten, leisten medizinische Versorgung, bringen Deutsch bei, knüpfen Beziehungen ...

Und nun, Kolleg_innen, was tun?

"Lassen Sie sich Zeit, aber tun Sie es schnell, denn Sie wissen nicht, was Sie erwartet." (Derrida 2001: 78)

Unsere Stimmen in diesem Text entstehen in und aus der Erfahrung der Mit-Gründung, der Mit-Erhaltung und der Mit-Gestaltung einer Organisation und einer kontinuierlichen politischen Organisierung von Migrant_innen in Linz, Oberösterreich, trotz allem. Geleitet von rassismuskritischen und queer-feministischen Perspektiven und Zielen, konzipieren und führen wir Basisbildungskurse (Deutsch als Zweitsprache, Informations- und Kommunikationstechnik, Mathematik, Englisch, Alphabetisierung) und Lehrgänge zum Nachholen des Pflichtschulabschlusses für erwachsene Migrant_innen und Geflüchtete durch.

Im Häfen der Ehe

Interview mit: 
Angela Magenheimer

Die Initiative "Ehe ohne Grenzen" fordert die Wahrung der Menschenrechte in der Fremden- und Ehepolitik in Österreich.

migrazine: Seit wann gibt es "Ehe ohne Grenzen", und was war der Anlass, den Verein zu gründen?

Einleitung

Seit den 1990er Jahren schotten sich die europäischen Staaten mit immer restriktiveren Asyl- und Fremdengesetzen gegen Zuwander_innen ab. Auch in der kürzlich von der SPÖ-ÖVP-Koalition vorgestellten Maßnahme der Flüchtlingshaft für Asylsuchende („Mitwirkungspflicht“) und im jüngsten Anschlag auf ein Grazer Asylheim manifestieren sich einmal mehr staatlicher Rassismus und rechte Hetze.

Fallen der Vielfalt

Medien, MigrantInnen, Meinungshoheit: Zieht mit der neuen Diversität in den Redaktionen auch automatisch ein "anderer" Blick ein?

Die Autorin der Berliner "tageszeitung" Gabriele Dietze hat in einem Artikel über die Fernsehsendungen "Deutschland sucht den Superstar" und "Popstars" das schöne Wort von der "emotionalen Staatsbürgerschaft" geprägt. Jugendlichen aus Einwandererfamilien werde diese zwar "auf der Ebene der Ausländergesetze, Fremdenfeindlichkeit und des Unterklassenstatus" oft verweigert. In den Castingshows aber können sie sich ganz normal als ein Teil Deutschlands fühlen.

Organising Activism (english)

Romedia Foundation acts through (social) media

Established in 1992, the Romedia Foundation has nearly 20 years of experience as a Roma non-governmental organization contributing to enhance a positive image of ethnic Romani identity and which stands against anti-Romani prejudice. Providing new and fresh information from a different perspective to policy makers on Roma has been a key element of the Foundation’s activities which include producing films, videos, international multi-media campaigns as well as holding public events.

"Und ich drückte meine Lippen gegen ihre ..."

Interview mit: 
Renaud Lagabrielle

1989 tauchte erstmals eine homosexuelle Protagonistin in einem französischen Jugendbuch auf. Der Romanist Renaud Lagabrielle beschreibt, wie sich seitdem die Repräsentation von Homosexualität verändert hat und wie sich die Debatten zur gleichgeschlechtlichen Ehe auf die Kinder- und Jugendbuchverlage in Frankreich auswirken.

migrazine.at: Du hast am Beispiel von dreißig französischen Kinder- und Jugendbüchern, die zwischen 1989 und 2003 erschienen sind, die Darstellungsweisen von Homosexualität untersucht. [1] Wie hat sich die Repräsentation der "Sissy Boys" und "Tom Girls", wie du sie nennst, in diesem Zeitraum verändert?