Nationale Mythen irritieren

Interview mit: 
Erol Yildiz

Über die neue "postmigrantische" Generation und ihr Selbstverständnis jenseits traditioneller ethnisch-nationaler Identitätsentwürfe: ein Gespräch mit dem Migrationsforscher Erol Yildiz.

migrazine.at: Mit Bezeichnungen wie "Zweite" und "Dritte Generation" wird versucht, eine neue Lebensrealität zu beschreiben: Menschen, die nicht selbst migriert sind, aber dennoch als Migrant_innen angerufen werden, und deren Biografien von Rassismus-Erfahrungen geprägt sind. Welche Auseinandersetzungen und Debatten stehen hinter diesen Begriffen?

Der Battyman wehrt sich

Mordaufrufe auf heimischen Bühnen zu verhindern, gestaltet sich schwieriger als angenommen

Der Song "Boom Bye Bye" von Buju Banton von 1992 gilt als erster sogenannter "Battyman Tune" der Dancehall-Szene Jamaikas. "Battyman Tunes" sind Songs, in denen gegen schwule Männer gehetzt, ja sogar zum Mord aufgerufen wird. Lesben kommen – wie so oft in homophoben und männlich dominierten Strukturen – nur selten vor. Die weibliche Sexualität wird marginalisiert, dafür der Sex zwischen Männern auf Analverkehr reduziert und daher als besondere Bedrohung wahrgenommen: Der Ausdruck "Battyman" heißt nichts anderes als "Arschmann".

Beginn der "Stop Murder Music"-Kampagne

"Ich hasse Rosa!"

Quer durch die Verlage gibt es durchaus progressive und feministische Kinderbücher.

Der Gang in Filialen größerer Buchketten kann aus vielen Gründen deprimierend sein. Beispielsweise kann es passieren, dass auf die Frage "Ich suche Bücher für Zehnjährige" mit der Gegenfrage "Bub oder Mädchen?" geantwortet wird. Wie bei den meisten Konsumartikeln sind die Verkaufsregale von Kinder- und Jugendbüchern nach Geschlechtern getrennt: Für Mädchen gibt es Hexen und bald mal Liebesgeschichten, während bei Buben Ritter und Detektivgeschichten hoch im Kurs stehen.

Class Trouble

Wie viel "Klasse" hat die queer-feministische Praxis? Immer mehr und doch zu wenig.

Dass "Klasse" keine zentrale Kategorie in queer-feministischen Analysen darstellt, liegt nicht etwa daran, dass der Klassenwiderspruch aufgehoben wäre oder Kapitalismuskritik im Queer-Feminismus keine Rolle spielt. Es liegt stattdessen daran, dass Ungleichheit oft als Diskriminierung kurzgeführt wird.

Glossar der politischen Selbstbezeichnungen: A wie ... Afro-deutsch

Von A-Z: "Talking back from the margins" (bell hooks)

Mit Audre Lorde entwickelten wir den Begriff "afro-deutsch" in Anlehnung an "afro-amerikanisch", als Ausdruck unserer kulturellen Herkunft. "Afro-deutsch" schien uns einleuchtend, da wir fünf eine deutsche Mutter und einen afrikanischen oder afro-amerikanischen Vater haben. Inzwischen lernten wir Afro-Deutsche kennen, deren Eltern beide aus Afrika stammen oder deren einer Elternteil afrodeutsch ist und der andere aus Afrika kommt.

Prozesse, die mitwirken beim Aufbau des eigenen (Körper-)Bildes

Kunst als Medium für soziale Transformation

"Mein Körper ist eine gnadenlose Topie. Und wenn ich nun das Glück hätte, mit ihm wie mit einem Schatten zu leben? Wie mit alltäglichen Dingen, die ich gar nicht mehr wahrnehme, weil das Leben sie hat eintönig werden lassen? Wie mit den Schornsteinen und Dächern, die sich abends vor meinem Fenster aneinander reihen? Aber jeden Morgen dieselbe Erscheinung, dieselbe Verletzung. Vor meinen Augen zeichnet sich unausweichlich das Bild ab, das der Spiegel mir aufzwingt: mageres Gesicht, gebeugte Schultern, kurzsichtiger Blick, keine Haare mehr, wirklich nicht schön.

würdevoll oder integrationsverweigerns-wert

Ob Innen- oder Außenministerium, Integrations- oder Bildungsbeauftragte, für alle in Sachen Migration und Asyl verantwortlichen Instanzen lautet das Zauberwort heute: EUROPÄISCHE WERTE.

Während mit der wachsenden Gleichgültigkeit und Normalisierung gegenüber den Tragödien im Mittelmeer und den andauernden Kriegszuständen weltweit die Menschenrechte komplett abzurutschen drohen, weichen ethische Gesichtspunkte zunehmend einer Untermauerung vermeintlicher Werte, die als "unsere" propagiert werden. "In der Tat ist der barbarische Begriff, der aus der Finanzwirtschaft stammt, erst nach 1850 in die Philosophie und erst in den 20er Jahren in die Trivialsprache eingedrungen", schreibt Günther Anders zum Begriff "Werte". (Anders 1982: 131)

"Dienstboten, Katholiken, Juden, Frauen, AusländerInnen"

Im Schweizer Kanton Basel-Stadt fordert ein breites BürgerInnen-Bündnis das kantonale Wahlrecht für MigrantInnen. Im März dieses Jahres wurden mehrere tausend Unterschriften an die Kantonsregierung übergeben. Im Beitrag stellt die Basler Stimmrechtsinitiative ihre Forderungen vor.

Die "Basler Stimmrechtsinitiative" [1] wurde im September 2007 von einem Personenkomitee lanciert, dem VertreterInnen aus verschiedenen Parteien, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und aus der Kultur angehören. Die Initiative tritt dafür ein, dass MitbewohnerInnen mit Migrationshintergrund, welche die Niederlassungsbewilligung, die sogenannte C-Bewilligung, besitzen und mindestens fünf Jahre im Kanton leben, stimmen und wählen können. [2]

Queer Politics im Exil und in der Migration

Was bedeutet "Queere Politik" im Kontext von Asyl und Migration? Wie werden "Ausländerinnen" und "Lesben" vom deutschen Staat "angerufen"? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Selbstwahrnehmung und die politischen Handlungsstrategien von immigrierten und exilierten lesbisch lebenden Frauen? Eine kritische Betrachtung der Ein- und Ausschlusslogik im Rahmen des Nationalstaates und ihrer subjektkonstituierenden Wirkungskraft.

Frauen im Exil und in der Migration haben nicht nur mit Unsichtbarmachung und Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts zu kämpfen. Vielmehr sehen sie sich mit ständiger Kontrolle und Regulierung ihres Bewegungsraumes aufgrund des Status als "Ausländerin" konfrontiert. Eine Repräsentation ihrer Stimmen auf politischer oder diskursiver Ebene findet in Öffentlichkeit wie Gegenöffentlichkeit kaum statt. [1] Anthologien wie "Talking Home. Heimat aus unserer Feder.

Im Dazwischen schreiben?

Literatur von AutorInnen mit "Migrationshintergrund" hat während des letzten Jahrzehnts einen regelrechten Rezeptionsboom erfahren. Doch was wird eigentlich mit dem Begriff "Migrationsliteratur" behauptet?

AusländerInnenliteratur, Literatur ausländischer AutorInnen, Literatur von außen, Literatur der Betroffenheit, Gast- bzw. GastarbeiterInnenliteratur, Migrations- bzw. MigrantInnenliteratur, Minderheitenliteratur, Emigrations- bzw. ImmigrantInnenliteratur, Literatur der Fremde, Literatur mit dem Motiv der Migration, multikulturelles Schreiben, interkulturelle bzw. transnationale Literatur, Schreiben im Dazwischen …